Marion Schneider

Lilith und Eva

Durch die biblische Geschichte wie auch andere Überlieferungen ist bekannt, dass Gott die erste Frau Adams verwarf, da sie zu selbständig war, und ihm eine neue aus seiner eigenen Rippe erschuf, damit sie ihm anhänge und so die Harmonie zwischen den Geschlechtern und den Menschen entstünde. Ich sage einmal salopp: Es hätte ja auch umgekehrt sein können und der Mann wäre aus der Rippe Liliths geschaffen worden, doch war die Frau mit der Macht, die Kinder in und bei sich wachsen zu lassen, dem Mann bereits überlegen, so dass dies vielleicht ein Ausgleich war.

Noch heute danken die gläubigen Männer mosaischen Glaubens Gott täglich, dass sie keine Frau sein müssen. Sind die Frauen so abhängig, wie die Bibel sagt? Ich denke, wenn sie wahrheitsgemäß antworten müssen, würden sie es in der Mehrheit bejahen. Ihren größten Lustgewinn findet die Frau in der völligen Hingabe an den Geliebten und seine hingebungsvolle Liebesaktivität, die er zu beider Vorteil gerne umfassend und langanhaltend ausführt, wenn ihm an ihrem Glück gelegen ist (hier kann auch der weibliche Artikel verwendet werden für den Fall, dass sich zwei Frauen lieben). Dieser Akt setzt größte Freiheit und umfassendes Vertrauen auf beiden Seiten voraus. Wenn eine Frau aus ganzem Herzen liebt, wird ihr Körper abhängig von dem oder der Geliebten, sie wird ein Teil von ihm oder ihr und der geliebte Mensch wird Mittelpunkt ihrer Welt. Solange ihr Liebesglück nicht getrübt wird und der Liebespartner oder andere Ereignisse das Vertrauen nicht zerstören, werden all ihre Fasern, ihre Zellen, jeder Blutstropfen dem Geliebten gehören. Sie ist Teil von ihm – oder auch ihr, wenn sie eine Frau liebt. Das ist das Wesen der Liebe einer Frau.

Die freiheitsliebende Lilith, Vorgängerin dieser Eva-Liebe, wurde in die Vergangenheit verbannt und der Verzicht der Frauen auf diese Freiheit wird nicht gewürdigt. Das sollte sich ändern, um zu einem Frieden der Geschlechter und der Welten zu gelangen. Es wird Zeit, dass die Männer ihr hohes Maß an Verantwortung erkennen, welches sie den Frauen gegenüber haben. Sie bestimmen über das Glück, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Frauen. Es ist ihre Pflicht, ihre Tätigkeit und die Früchte ihres Schaffens in den Schoß der Frauen zu legen, anstatt es in zerstörerischen Männerspielen zu verprassen.

Respekt vor der Frau beinhaltet automatisch die Achtung der Natur, ihrer Schönheit, Harmonie und Sinnlichkeit. Welches Glück kann entstehen, wenn sich die Männer in den Dienst ihrer Erhaltung und Pflege stellen und zusammen mit den Frauen zum Wohle des Bestehenden und der Zukunft in Verständnis für ihre Gesetze und die Harmonie des Ganzen vertiefen.