Marion Schneider

Über Frauen

Frauen brauchen häufig Trost. Nicht, dass sie schwach wären – es ist vielmehr eine Form der Zärtlichkeit, nach welcher sich Körper, Verstand und Seele sehnen, eine Verbindung, die signalisiert: du bist nicht allein, ich werde bei dir sein, ich bin bei dir, du kannst dich auf mich verlassen. Es ist eine Form der Zärtlichkeit, die Wärme und Glückseligkeit herstellt. Der Trost kann eine Frage sein wie »Oh, Du bist ein wenig blass, ist alles in Ordnung?« oder eine Umarmung, wenn sie frustriert zu sein scheint oder nur ein kleines Lächeln.

Die meisten Frauen sind soziale Wesen. Sie genießen es, in einer Gruppe zu sein und fühlen sich eher beängstigt im Alleinsein. Einsamkeit ist noch kein Teil der weiblichen Tradition, eher das Gegenteil: ihr war es nicht erlaubt, alleine zu sein.

Das Leben der Frau dreht sich um ihren Körper. Ihr Körper ist ein Objekt des Vergnügens und auch der Ausbeutung. Manchen Frauen gelingt es, ihren Körper zu einem aktiven und lebensbejahenden Element ihres Lebens zu machen. Frauen sorgen sich um die Körper anderer, z. B. wenn sie sich um Ältere und Kranke kümmern. Ihre eigenen Körper schenken anderen Körpern Leben. Sie fühlen und reflektieren die äußere Welt in ihrem Körper, ein Prozess des Gebens und Nehmens, ein Austausch, in welchem die Frau beides ist, Objekt und Subjekt. Sie empfängt den Samen, gibt das Blut und gebärt das Kind. Sie bekommt Verehrung und gibt Liebe.

Frauen wollen und brauchen die Freiheit, sich selbst auszudrücken, wagen es aber häufig nicht, dies auszuleben und zu zeigen. Für sie ist eine Atmosphäre voller Verständnis und positivem Denken lebensnotwendig, weil sie noch nicht so viele Mechanismen zur Abwehr von Hindernissen und Widerständen entwickelt haben. Der Dialog ist ein angenehmer Weg, um Probleme zu lösen.

Frauen müssen noch immer ihre individuelle Art des Ausdruckes finden. Es ist sehr wichtig, nicht einzugreifen, weil man meint, dies würde sie unterstützen. Es ist wesentlich, sie ihren eigenen Weg, sich selbst zu leben, finden zu lassen und ihr dabei behilflich zu sein. Es lohnt sich, denn sie wird dankbar sein für all die Geduld, die sie wirklich braucht.